Von Budapest bis Lissabon – Internationale Proteste gegen SS-Veteranen-Treffen in Riga

15. März 2017

Bericht von Thomas Willms Am 15. März demonstrierten vor den lettischen Botschaften in Berlin, Budapest, Rom, Athen und Brüssel Mitglieder und Freunde der Mitgliedsverbände der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) gegen die Ehrung von Angehörigen der Waffen-SS in der lettischen Hauptstadt Riga und die Unterdrückung antifaschistischer Proteste in Lettland. Dr. Ulrich Schneider, Generalsekretär der FIR, hatte bereits vorab gegenüber der lettischen Botschafterin in Deutschland, Frau Elita Kuzma, schärfsten Protest erhoben. In seinem Schreiben heißt es u.a.: „Seit über 25 Jahren veranstalten ehemalige SS-Kollaborateure, Angehörige und politische Anhänger einen Marsch und eine Kundgebung am Freiheitsdenkmal zu Ehren der lettischen Einheiten der Waffen-SS. Nachdem dies anfangs eher geduldet wurde, erlebt man in den letzten Jahren eine offene Unterstützung der Behörden. Wir können den regierungsoffiziellen Erklärungen zum Charakter der baltischen Waffen-SS-Einheiten nicht folgen. Zurecht hat der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg – als Gericht der Völker – in seinem Urteil die SS in allen ihren Untergliederungen – und damit auch die baltischen Waffen-SS Einheiten – als verbrecherische Organisation verurteilt.“ OLYMPUS DIGITAL CAMERA Vilmos Hanti, Präsident der FIR, leitete persönlich den Protest vor der lettischen Botschaft in Budapest. Es wurden, wie auch an allen anderen Orten, Fotodokumente gezeigt, die die Morde lettischer Kollaborateure an Jüdinnen und Juden Lettlands zeigen. Athen 2017 In Athen protestierten 100 Mitglieder von P.E.A.E.A. vor der lettischen Botschaft und überreichten folgende Resolution an den Präsidenten der Republik Lettland: “RESOLUTION FOR THE RALLY OF PEAEA-DSE IN FRONT OF THE LATVIAN EMBASSY IN ATHENS To the President of the Republic of Latvia Mister President, We vehemently protest in the name of the thousands of our members, Resistance fighters of WW2, their descendants and their friends, against the state support and facilitation you give to the Neo-nazis and their descendants who have the impudence to “honor” the Nazi criminals-murderers and the Latvian Waffen-SS with their rally and march in Riga planned for March 16, 2017. Respect for the Memory of tenths of millions victims of the Nazis and their collaborators makes it necessary to ban and to isolate those who “praise and honor” such beasts in human disguise calling them “liberators” in contrast with the real historical facts. It is evident that whoever identifies himself in any way with those scums, identifies himself, too, with their criminal atrocities and as such they will remain in history. We want to denounce the EU which in the Balkan countries and in other member-states as well, tolerates, reinforces and supports governments that endorse such ideas. The Hitler-fascists, the Nazi, the Waffen-SS and their collaborators have been condemned for ever and irrevocably in the consciousness of the Peoples. We demand that you stop in any possible manner the fascist rally and the march of the eulogists of the Nazi and of the Latvian Waffen-SS. Athens, March 15, 2017“ Rome 2017 Auch in Rom protestierten Veteranen und Mitglieder antifaschistischer Verbände von ANPI, FIAP und anderen gegen das SS-Treffen in Riga.

In Lissabon protestierte Marília Villaverde Cabral vom Verband URAP mit folgendem Schreiben: „Excelentíssimo Senhor Embaixador da Letónia em Portugal A U.R.A.P.- União de Resistentes Antifascistas Portugueses, vem, pelo presente meio, demonstrar o mais vivo repúdio pela cerimónia de homenagem às Waffen-SS prevista para 16 de Março em Riga. A marcha em Riga (Ehrenmarsch) é uma provocação sem precedentes para os familiares e vítimas da polícia letã e das unidades das SS. Assim solicitamos que, junto das autoridades do seu país, dê nota do nosso protesto. Pela Direcção da URAP”

In Berlin sprachen vor der lettischen Botschaft der Landesvorsitzende der VVN-BdA Dr. Hans Coppi, der Bundestagsabgeordneter Volker Beck von Bündnis 90/Grüne und Rita Bock, deren Großmutter nach Riga deportiert und dort ermordet wurde.

No honor for the Latvian Waffen-SS! Call for international protests

25. Februar 2017

On 16 March, as every year since 1991, in Riga, the Latvian capital, there will be a worship, an honorary march and a flag-lined rally at the Freedom Monument in honor of the Latvian units of the Waffen-SS.

With Estonia, Lithuania, Ukraine and Bulgaria, Latvia is one of the Eastern European states where units of the Waffen-SS and other anti-Semitic death squads collaborating with the Nazis are celebrated as national idols. This is done with state toleration and partial open support from authorities.

The Riga « Ehrenmarsch » is an unprecedented provocation for the members of the victims of the Latvian police and SS units and for the Jewish, Russian-speaking and other minorities in the country. It stands not only in contrast to the fundamental values of the European Union, whose other advantages the Latvian state likes to accept, but is also a provocation against the Russian Federation and thus a threat to peace in Europe.

In Latvia, anti-fascist demonstrators are exposed to considerable reprisals (telephone monitoring, travel restrictions, administrative chicanery, police, state influence on hotels and event organizers). This also applies to supporters who come from Germany and other countries.

It is therefore more important in 2017 as well to show solidarity with the Latvian antifascists. The International Federation of Resistance Fighters (FIR) and its member federations call for a trip to Riga and to participate in the anti-fascist demonstration on 16 March.

At the same time they call on March 15, 2017, in Rome, Brussels, Budapest, Athens as well as in several German towns to protest in front of Latvian embassies and consulates in Europe against the glorification of Nazi collaborators and mass murderers and to demand freedom for Latvia’s anti-fascists.Riga Protest 2014

We demand:

• Conclude the tribute of Nazi collaborators and murderers!

• Recognize the Baltic participation in Nazi genocide!

• Freedom for « Latvia without Nazism »!

• We call all antifascists to send protest messages to Latvian embassies and Latvian consulates!

Keine Ehrung der lettischen Waffen-SS! Aufruf zu internationalen Protestkundgebungen

25. Februar 2017

Am 16. März wird es in der lettischen Hauptstadt Riga – wie jedes Jahr seit 1991 – zu einem Gottesdienst, einem Ehrenmarsch und einer fahnengesäumten Kundgebung am Freiheitsdenkmal zu Ehren der lettischen Einheiten der Waffen-SS kommen.

Lettland gehört mit Estland, Litauen, der Ukraine und Bulgarien zu den osteuropäischen Staaten in denen Einheiten der Waffen-SS und andere mit den Nazis kollaborierende antisemitische Todesschwadronen als nationale Idole gefeiert werden. Dies geschieht mit staatlicher Duldung und teilweise offener Unterstützung durch Behörden.

Der Rigaer „Ehrenmarsch“ ist eine unerhörte Provokation für die Angehörigen der Opfer der lettischen Polizei und SS-Verbände und für die jüdische, russischsprachige und andere Minderheiten im Land. Er steht nicht nur im Gegensatz zu den Grundwerten der Europäischen Union, deren sonstige Vorzüge der lettische Staat andererseits gerne entgegennimmt, sondern ist auch eine Provokation gegenüber der Russischen Föderation und damit eine Gefahr für den Frieden in Europa.

In Lettland werden antifaschistische Demonstrant*innen erheblichen Repressalien (Telefonüberwachung, Reisebeschränkungen, Behördenschikanen, Polizeiwillkür, staatliche Einflussnahme auf Hotels und Veranstaltungsunternehmen) ausgesetzt. Dies gilt auch für Unterstützer*innen, die aus Deutschland und anderen Ländern anreisen.

Umso wichtiger ist es, auch 2017 Solidarität mit den lettischen Antifaschist*innen zu zeigen. Die VVN-BdA und die Mitgliedsverbände der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) rufen dazu auf, nach Riga zu reisen und am 16. März an der antifaschistischen Kundgebung teilzunehmen.

Gleichzeitig rufen sie dazu auf am 15. März  in Rom, Brüssel, Budapest und Athen

vor lettischen Botschaften und Konsulaten in Europa gegen die Verherrlichung von NS-Kollaborateuren und Massenmördern zu protestieren und Freiheit für Lettlands Antifaschist*innen zu fordern.

Die VVN-BdA ruft auf zu Mahnwachen vor der lettischen Botschaft und den Honorarkonsulaten in  Berlin, Bremen, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf.

Wir fordern:

  • Schluss mit der Ehrung von NS-Kollaborateuren und Mördern!
  • Anerkennen der baltischen Beteiligung am nazistischen Völkermord!
  • Freiheit für „Lettland ohne Nazismus“!
  • Wir rufen für den 15. März auf zu Protestkundgebungen vor der lettischen Botschaft und lettischen Konsulaten!

FIR unterstützt Proteste gegen internationales Neonazi-Treffen in Genua

25. Februar 2017

Europäische Neofaschisten wollten am 11. Februar 2017 in Genua ein Treffen organisieren. Angekündigt waren Roberto Fiore, Präsident von Forza Nuova, Udo Voigt, Mitglied im Europäischen Parlament für die deutsche NPD, Yvan Benedetti, Führer der französischen Rechtspartei Parti Nationaliste Français und Nick Griffin, ehemaliger Präsident der British National Party sowie zahlreiche weitere Repräsentanten verschiedener faschistischer Gruppen.

05 Filippo Genova 2 Nachdem die Regionalverwaltung alle öffentlichen Aufmärsche untersagt hatten und das geplante Hotel die Räume storniert hat, sollte dieses Treffen im Parteibüro der neofaschistischen Partei Forca Nuova stattfinden. Dies rief aber den geschlossenen Widerstand der antifaschistischen Kräfte in der Stadt auf den Plan. Innerhalb kurzer Zeit organisierte die antifaschistische Organisation ANPI gemeinsam mit Gewerkschaften, politischen Parteien und anderen Organisationen eine kämpferische Gegenaktion, an der mehrere tausend Demonstranten teilnahmen.

05 Filippo in GenovaAls Vertreter der FIR nahm der Vizepräsident Filippo Giuffrida an dieser Demonstration teil und überbrachte die kämpferischen Grüße der internationalen antifaschistischen Bewegung. Gemeinsam könne man sich erfolgreich gegen die extreme Rechte wehren, wo immer sie versucht sich mit rassistischen und demagogischen Parolen gegen die demokratischen und sozialen Rechte aller Menschen zu formieren.

Die Demonstration in Genua war ein sichtbares Zeichen für die Mobilisierungsfähigkeit der antifaschistischen Idee.

The main political tasks of the coming years – the political declaration of FIR

4. Dezember 2016

1. Anti-fascism is more relevant than ever! Even more than 70 years after the historic victory in May 1945 over fascist regimes in Europe anti-fascism is a more recent political idea than ever. The current problems of political, economic and social causes require from all people joint actions – not facing political party boundaries – for a socially just, peaceful and democratic development in all parts of the world. 2. Stop the resurgence of right-wing populism and neo-fascism With great concern, that we see the increase of the political influence of extreme right forces, from violent neo-fascists to right-wing populist groups, in different European countries. These groups engage ostensibly to the serious concerns of the people, but give nationalist and racist responses to the existing problems. Moreover they propagate and practice increasingly violent forms of conflict, such as arson attacks on « foreigners », hunting refugees and other excesses. The refugee movement caused by war and social need – which only can be answered by practical solidarity of all European countries – is answered by them with a demand for authoritarianism, intolerance and nationalist chauvinism. At the same time they propagate ideals of former fascist movements (Bandera, Horthy, Mussolini, Ustasha and other « models »). This is in contradiction to international declaration, especially the resolution of the United Nations General assembly to the topic preserving memories (7 Dec 2014). The FIR and its member federations as internationalist movement stand together against racism, xenophobia, neo-fascism, nationalism and extreme right-wing populism. We support protests like the demonstration in Riga et.al. 3. Eliminate the threat of war – for the protection of peace Fascism and war are two sides of one medal. That is why the political slogan of 1945 was “destroying the Nazism with its roots and creating a new world of peace and freedom”. The International Federation of Resistance Fighters (FIR) – Association of Anti-fascists has as « ambassador of peace » of the United Nations a moral order to work for non-military solutions for the conflicts in the world. We fight in particular the causes of war and warmongers who want to impose their imperial goals, their needs of raw material and geopolitical interests on the backs of peoples. We expect the United Nations to support peaceful means of settling e.g. in Afghanistan, Iraq, Syria or in Ukraine. That is how FIR acts as part of the international peace movement. As a new form of threat we can see terrorist attacks. Partly with “religious” reasons, partly with the standard criticism of « Western values » attacks against the civilian population in various European countries are carried out in particular. We condemn such inhuman acts of violence in the strongest terms, but we cannot forget on the other hand, that such forces have been financed and used as “weapons” in the late Cold War. We call the countries concerned by terrorist attacks not to use such brutal acts as a pretext to dismantle democratic rights and to establish authoritarian rules. 4. Preserving memories – against historical revisionism The memory of the common anti-fascist struggle of the peoples and military parts of the anti-Hitler coalition is a permanent task of FIR and its member federations. In several European countries, notably the Baltic States, in Poland, in Ukraine and in countries of the former Yugoslavia we see on various political and social levels attempts and tendencies to falsify the antifascist memories. Monuments of the anti-fascist struggle were destroyed or even rededicated. Former collaborators of the SS are recognized as « freedom fighters » and on European level there are attempts to establish a « solemn ceremony against totalitarianism » on 23 August. We oppose those attempts of historical revisionism. On the other hand we are proud that in all these countries also veterans and antifascist groups do their duty for the historical truth and defending such memorial places for the liberation from Nazi-fascism and for the liberators. The tasks of the FIR and its member federations remains to preserve the historical memory of the resistance of the peoples, to the women and men who sacrificed their lives, who fought in the ranks of the anti-Hitler coalition or for their convictions or have been victims from other reasons of fascist exclusion in the concentration and extermination camps. To pass their experiences on to present and future generations is one of the most important tasks, standing in front of our organizations. We cooperate particularly with memorials at the places of camps, with archives and historical institutions and antifascist initiatives conveyance of history. Outstanding examples of this work are the exhibition « European resistance against Nazism » and the international youth meetings, documenting the impressive forms of conveying history to the young generations. 5. The unit of the anti-fascist forces consolidate – win new generations! Since 65 years, the FIR is working as an international umbrella organization of all the different fighters and forces of the Anti-Hitler-Coalition, former persecuted and today’s anti-fascists. Their strength is the commonality that results despite different political party orientations, social visions or religious values. The path of the « torch of FIR » impressively emphasized that community. In our ranks are comrades and friends

  • they fight to overthrow the exploitative system that generates poverty, fascism and war,
  • they defend democratic and social rights,
  • they are based on religious or humanistic ideals connected with the antifascist goals,
  • they want to preserve the memories of their families.

Each way to antifascism is welcomed in FIR. This unit must be developed renew, because the witness’s generation is leaving us. And we call all member federations to open their structure for the today’s generations. In that way we are challenged to share the ideals of the anti-fascist legacy with the post-war generations, who bring their own issues and perspectives in political disputes. For FIR therefore the task is: In connection with the present generations we preserve the legacy of the fighters and persecuted and fight for democracy, humanism, social justice and « a new world of peace and freedom. »

Die politischen Hauptaufgaben der nächsten Jahre – Politische Erklärung der FIR

4. Dezember 2016

1. Antifaschismus ist wichtiger denn je!

Auch mehr als 70 Jahre nach dem historischen Sieg im Mai 1945 über faschistische Regime in Europa ist Antifaschismus als politische Idee aktueller als je zuvor. Die gegenwärtigen Probleme politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ursachen fordern von allen Menschen gemeinsame Handlungen – ohne politische Parteiengrenzen – für eine sozial gerechte, friedliche und demokratische Entwicklung in allen Teilen der Welt.

2. Stoppt das Wiederaufleben von Rechtspopulismus und Neofaschismus

Mit großer Sorge sehen wir die Zunahme des politischen Einflusses extremer Kräfte, von gewalttätigen Neofaschisten bis zu rechtspopulistischen Gruppen in verschiedenen europäischen Ländern. Diese Gruppen engagieren sich scheinbar für die ernsthaften Sorgen der Bevölkerung, geben aber nationalistische und rassistische Antworten auf die bestehenden Probleme. Darüber hinaus propagieren und praktizieren sie zunehmend gewalttätige Konfliktformen wie Brandanschläge auf « Ausländer », Jagd aus Flüchtlinge und andere Exzesse.

Die von Krieg und sozialer Not hervorgerufene Fluchtbewegung, die nur durch die praktische Solidarität aller europäischen Länder bewältigt werden kann, wird von ihnen mit einer Forderung nach Autoritarismus, Intoleranz und nationalistischem Chauvinismus beantwortet. Gleichzeitig propagieren sie Ideale früherer faschistischer Bewegungen (Bandera, Horthy, Mussolini, Ustascha und andere « Modelle »). Dies steht im Widerspruch zu der internationalen Erklärung, insbesondere der Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Thema Erinnerungskultur (7. Dezember 2014).

Die FIR und ihre Mitgliedsverbände als internationalistische Bewegung stehen zusammen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Neofaschismus, Nationalismus und rechtsextremen Populismus. Wir unterstützen Proteste wie die Demonstration in Riga u.a.m.

3. Beseitigt die Bedrohung des Krieges – für den Schutz des Friedens

Faschismus und Krieg sind zwei Seiten einer Medaille. Deshalb war der politische Slogan von 1945 « den Nazismus mit seinen Wurzeln zu zerstören und eine neue Welt des Friedens und der Freiheit zu schaffen ».

Die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten hat als « Botschafter des Friedens » der Vereinten Nationen eine moralische Verpflichtung, für nichtmilitärische Lösungen der Konflikte in der Welt zu arbeiten. Wir kämpfen insbesondere gegen die Ursachen von Kriegen und Kriegstreiber, die ihre imperialen Ziele, ihre Rohstoffbedürfnisse und geopolitischen Interessen auf dem Rücken der Völker durchsetzen wollen. Wir erwarten von den Vereinten Nationen die Unterstützung friedlicher Lösungen, zum Beispiel in Afghanistan, Irak, Syrien oder in der Ukraine. So agiert die FIR als Teil der internationalen Friedensbewegung.

Als neue Form der Bedrohung sehen wir Terroranschläge. Zum Teil mit « religiösen » Begründungen, zum Teil mit der Standardkritik an « westlichen Werten » werden vor allem Angriffe auf die Zivilbevölkerung in verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt. Wir verurteilen solche unmenschlichen Gewaltakte in aller Form, wir können aber nicht vergessen, dass solche Terroristen im späteren Kalten Krieg finanziert und als « Waffen » verwendet wurden. Wir rufen die durch Terroranschläge betroffenen Länder auf, solche brutalen Handlungen nicht als Vorwand zu benutzen, um demokratische Rechte abzubauen und autoritäre Regeln aufzustellen.

4. Erinnerung bewahren – gegen Geschichtsrevisionismus

Die Erinnerung an den gemeinsamen antifaschistischen Kampf der Völker und der militärischen Teile der Anti-Hitler-Koalition ist eine ständige Aufgabe der FIR und ihrer Mitgliedsverbände. In mehreren europäischen Ländern, vor allem in den baltischen Staaten, in Polen, in der Ukraine und in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, sehen wir auf verschiedenen politischen und sozialen Ebenen Versuche und Tendenzen, die antifaschistischen Erinnerungen zu verfälschen. Denkmäler des antifaschistischen Kampfes wurden zerstört oder sogar umgewidmet. Ehemalige Freiwillig der SS werden als « Freiheitskämpfer » anerkannt und auf europäischer Ebene gibt es Versuche, am 23. August einen « Gedenktag gegen den Totalitarismus » zu etablieren.

Wir verurteilen diese Versuche des Geschichtsrevisionismus. Andererseits sind wir stolz darauf, dass in all diesen Ländern auch Veteranen und antifaschistische Gruppen ihre Pflicht für die historische Wahrheit erfüllen und Gedenkstätten für die Befreiung vom Nazi-Faschismus und für die Befreier verteidigen.

Die Aufgabe der FIR und ihrer Mitgliedsverbände bleibt es, die historische Erinnerung an den Widerstand der Völker, die Frauen und Männer, die ihr Leben opferten, die in den Reihen der Anti-Hitler-Koalition oder für ihre Überzeugung kämpften oder aus anderen Gründen der faschistischen Ausgrenzung als Verfolgte in den Konzentrations- und Vernichtungslagern waren, zu bewahren. Ihre Erfahrungen an gegenwärtige und zukünftige Generationen weiterzugeben, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die vor unseren Organisationen stehen.

Wir kooperieren vor allem mit Denkmälern an den Orten der Lager, mit Archiven und historischen Institutionen und antifaschistischen Initiativen, die die Geschichte weitertragen. Hervorragende Beispiele dieser Arbeit sind die Ausstellung « Europäischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus » und die internationalen Jugendtreffen, die eine eindrucksvolle Form der Vermittlung der Geschichte an junge Generationen aufzeigen.

5. Die Einheit der antifaschistischen Kräfte stärken – neue Generationen gewinnen!

Seit 65 Jahren arbeitet die FIR als internationale Dachorganisation aller Kämpfer und Kräfte der Anti-Hitler-Koalition, ehemaliger Verfolgter und heutiger Antifaschisten. Ihre Stärke ist die Gemeinsamkeit, die sich trotz unterschiedlicher politischer Parteienorientierungen, gesellschaftlicher Visionen oder religiöser Werte ergibt. Der Weg der « Friedens-Fackel » betonte eindrucksvoll die Gemeinschaft.

In unseren Reihen sind Kameraden und Freunde

• die gegen das ausbeuterische System, das Armut, Faschismus und Krieg erzeugt, kämpfen,

• die demokratische und soziale Rechte verteidigen,

• die auf religiöser oder humanistischer Überzeugung mit den antifaschistischen Zielen verbunden sind,

• die die Erinnerungen ihrer Familien bewahren wollen.

Jeder Weg zum Antifaschismus ist in der FIR willkommen.

Diese Einheit muss immer wieder erneuert werden, weil die Generation der Zeugen uns verlässt. Wir rufen alle Mitgliedsverbände auf, ihre Struktur für die heutigen Generationen zu öffnen. Auf diese Weise sind wir gefordert, die Ideale des antifaschistischen Erbes mit den Nachkriegsgenerationen zu teilen, die ihre eigenen Themen und Perspektiven in politische Konflikte einbringen.

Für die FIR steht daher die Aufgabe:

Gemeinsam mit den jetzigen Generationen bewahren wir das Erbe der Kämpfer und Verfolgten und kämpfen für Demokratie, Humanismus, soziale Gerechtigkeit und « eine neue Welt des Friedens und der Freiheit ».

The Bulgarian historian and antifascist Prof. Velko Valkanov died Nov. 26, 2016

26. November 2016

FIR sent the following letter of condolence to the Bulgarian Antifascist Union and the International Dimitrov Foundation, Sofia

With deep sorrow we have to take note of the death of prof. Velko Valkanov this week-end.

Just after the XVII regular congress of FIR in Prague confirmed him as member of the honor presidency of FIR, he was very excited about, he died at the age of 88 years.

Prof. Valkanov was an active historian and journalist, who analyzed and published in several media. As antifascist he advised against right-wing policy and tendencies not only in Bulgaria, but in various parts of Europe. He faced the history and gave answers to the today’s situation and for future tasks. That is how we will remember him.

Because of his very active work in the sense of FIR the XVI FIR congress in Sofia 2013 named him first time as member of honor presidency.  With his death the Bulgarian antifascist movement lost a highly estimated figure. We will not forget him. We would like to express our condolences also to his family and all relatives.

Zum Tode von Fidel Castro – Letter of condolence

26. November 2016

Zum Tode von Fidel Castro hat sich der Exekutivausschuss mit folgendem Schreiben an die kubanische Botschaft gewandt:

Mit tiefer Trauer haben der Exekutivausschuss und die Mitgliedsverbände der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten heute vom Tod des langjährigen Präsidenten und Máximo Líder Kubas Fidel Castro Kenntnis erhalten. Die Veteranen des antifaschistischen Kampfes haben schon seit der Kubanischen Revolution die Entwicklung des Landes und die Politik von Fidel Castro mit großem Interesse und mit Solidarität verfolgt. Mehrfach haben die FIR und die Mitgliedsverbände sich gegen die amerikanische Blockadepolitik und später für die Freilassung der „Cuban Five“ engagiert. Fidel Castro war in dieser Auseinandersetzung der Vertreter des legitimen Kubas, der die Interessen des eigenen Volkes, aber auch die der Völker, die für antikoloniale Unabhängigkeit kämpften, vertrat. Als er aus Altersgründen von seinem Amt zurücktrat, blieb er auch für uns der Repräsentant des Kampfes für ein soziales, unabhängiges und wirklich demokratisches Kuba. Mit seinem Tod verliert das kubanische Volk, verliert die demokratische Weltöffentlichkeit einen wichtigen Mitstreiter für Frieden, nationale Unabhängigkeit, Demokratie und sozialen Fortschritt.  Wir werden ihn niemals vergessen.

Text in englischer Übersetzung:

The Executive Committee and the member associations of the International Federation of Resistance Fighters (FIR) – Association of Antifascists have been deeply saddened by the death of the long-standing President and Máximo Líder of Cuba Fidel Castro. The veterans of the antifascist struggle have been following the development of the country and Fidel Castro’s policy with great interest and solidarity since the Cuban Revolution. In many cases, the FIR and its member associations have been engaged against the American blockade policy and later for the release of the « Cuban Five ». Fidel Castro was for us in this debate the representative of the legitimate Cuban, who defended the interests of his own people, but also those of the peoples who fought for anticolonial independence. When he resigned from his position for reasons of age, he remained for us the representative of the struggle for a social, independent and truly democratic Cuba. With his death lose the Cuban people and the democratic world an important partner for peace, national independence, democracy and social progress. We will never forget him.

Michel Vanderborght Award 2016

21. November 2016

The International Federation of Resistance Fighters (FIR) – Antifascist Association handed-over the Michel-Vanderborght-Award on November 18, 2016 in Prague. The ceremony was the opening of the XVII regular congress of FIR. The ceremony was attended by more than 100 guests, veterans and todays antifascists from about 20 European countries.

When in summer 1951 the former resistance fighters, the political prisoners, the fighters in the ranks of the Anti-Hitler-Coalition created in Vienna the FIR, they never expected that 65 years later it is an on-going task to remember the women and men, who sacrificed their life, risked their health, and faced fascist punishment for the freedom of their own country, for their political ideals or for humanism. And until today this task is not a main-stream subject. FIR underlines again and again – these women and men fought not only for their own interests, this fight was the basis for a peaceful and social justice development and solidarity in Europe and the world.

These ideas were the political goal of Michel Vanderborght himself. As Belgian partisan and political resistance fighter he took in 2003 as president responsibility for the renewing of FIR until he died. That is why FIR named the price “Michel Vanderborght Award”.

FIR honored in 2016 institutions and courage persons with commitment for the antifascist ideas from nine countries: From Belgium Jean Cardoen for the Team “Train des Milles”, an international Youth meeting in Memorial Auschwitz, from Czech Republic Prof. Václav Pavlicek, a highly recommended layer and expert for constitutional law, from Germany the “Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 – 1945”, which works since 50 years for the preservation of the memories of resistance fighters, from Greece the former veteran Georgi Moraitis, from Hungary the Hungarian Media Groups for its fight for freedom of press, from Israel the director of Memorial Latrum (for Jewish resistance fighters) Zvi Kan-Tor, from Italy the Military Prosecutor Marco de Paolis, who accused the murderers of Sant’ Anna di Stazzema, from Netherland the former veteran Max van den Berg, and from Russia as a posthumous honoring for the 100 anniversary the airman Alexej Petrovich Maresjev, a long-time representative of FIR.

At the end of the ceremony Max van den Berg answered in the name of all awarded and underlined – coming from his own political and personal way – the necessity of civil courage and antifascist engagement in the today’s situation.

 

Michel Vanderborght Award 2016

 

Belgium

Jean Cardoen for the Team “Train des Milles”

Successful work for commemoration with the younger generation

 

Czech Republic

Prof. Václav Pavlicek

expert of constitutional law, member of the Administrative Foundation of Terezin

 

Germany:

Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 – 1945

Thomas Altmeyer – Institution of historical research in anti-fascist perspective

Creator of an online-portal “European commemoration places”.

 

Greece:

Georgi Moraitis

Veteran of PEAEA-DSE

 

Hungary:

Hungarian Media Group

Klubrádió-Arató András; Népszava-Németh Péter

 

Israel:

Zvi Kan-Tor

Director of the Memorial place Latrum (Israel)

 

Italy:

Marco de Paolis

Chief of the Military Prosecutors Office in La Spezia 2002 – 2008.

 

Netherlands:

Max van den Berg,

Veteran of Resistance and active for resistance Museum in Amsterdam

 

Russia

Alexej Petrovich Maresjev (posthumous)

Veteran and former representative of FIR

 

 

XVII ordentlicher Kongress in Prag

21. November 2016

 Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) ist eine lebendige Organisation

Am Wochenende 18. – 20. November 2016 fand in Prag der XVII ordentliche Kongress der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten statt. Mehr als 50 Delegierte aus knapp 20 europäischen Ländern vertraten Verbände ehemaliger Partisanen und Widerstandskämpfer, Kämpfer der Anti-Hitler-Koalition, Deportierte und Verfolgte, ihre Familienangehörigen und Antifaschisten heutiger Generationen. Unter den Delegierten waren noch drei Veteranen des antifaschistischen Kampfes.

Eröffnet wurde der Kongress am Freitagabend durch die Übergabe des Michel-Vanderborght–Preises der FIR an Preisträger aus neun Ländern. Unter den Geehrten waren ein tschechischer Verfassungsjurist, der italienische Militärstaatsanwalt, der u.a. das Verbrechen von Sant’ Anna di Stazzema verfolgte, ehemalige Widerstandskämpfer aus Griechenland und den Niederlanden, die bis heute als Zeitzeugen aktiv sind, sowie das belgische Team des „Zug der Tausend“ und der Studienkreis „Deutscher Widerstand 1933 – 1945“ für ihre Geschichtsarbeit mit jungen Menschen.

Auf dem Kongress zogen die Delegierten eine Bilanz der erfolgreichen Arbeit der vergangenen drei Jahre, die durch eindrucksvolle Gedenkveranstaltungen und zahlreiche politische Aktivitäten geprägt war. In mehreren Ansprachen wurde mit großer Sorge der Aufschwung der extremen Rechten in vielen europäischen Ländern und deren Einfluss selbst im Europäischen Parlament thematisiert. Hier sehen die Mitgliedsverbände in den kommenden Jahren eine große Herausforderung, eine politische Rechtsentwicklung in Europa und den einzelnen Ländern zu stoppen. In der lebendigen Diskussion, an der sich fast alle Verbände beteiligten, wurden Bilanz gezogen und Einschätzungen zur aktuellen Entwicklung vorgestellt. Dass diese Einschätzungen recht unterschiedlich ausgefallen sind, überrascht nicht, beteiligten sich doch Delegierte aus Russland und der Ukraine, aus Griechenland und Belgien, aus Italien und Serbien an der Debatte.

Es war aber ein beeindruckendes Zeichen antifaschistischer Gemeinsamkeit, dass in der mit großer Mehrheit angenommenen politischen Erklärung des Kongresses die Fragen der Kriegsgefahr und der aktuellen Flüchtlingssituation klar thematisiert wurden. Bei aller Unterschiedlichkeit der Einschätzungen war deutlich, dass Antifaschisten sich für die sozialen und Menschenrechte jedes Einzelnen – unabhängig von seinem Pass und seiner Herkunft – einsetzen. Auch zum Kampf gegen Geschichtsrevisionismus und Verfälschung der Rolle des Widerstandes gab es große Übereinstimmung. Im Vorschlag für die politischen Aufgaben der kommenden Jahre wurden die Aktivitäten gegen den Aufschwung der extremen Rechten ebenso genannt, wie das gemeinsame Handeln für die Bewahrung der Erinnerung. Dazu gehören die Arbeit mit der Ausstellung „Europäischer Widerstand gegen den Nazismus“ und der Vorschlag, eine europäische Konferenz mit verschiedenen antifaschistischen und antirassistischen Netzwerken gegen den Vormarsch der extremen Rechten auf den Weg zu bringen.

Von großer Einmütigkeit zeugten die Wahlen. Der ungarische Präsident Vilmos Hanti wird nun von drei Vizepräsidenten aus Griechenland, Italien und Russland unterstützt. (siehe Leitungsgremium der FIR)

Den Abschluss des Kongresses bildete eine Fahrt in die Gedenkstätte Lidice, wo die Delegierten und Gäste Kränze zur Erinnerung an die Opfer der faschistischen Barbarei niederlegten. Der Vertreter der Lagergemeinschaft Ravensbrück übergab bei dieser Gelegenheit der Gedenkstätte ein interessantes Dokument der Solidarität der deutschen politischen Häftlinge mit den Frauen von Lidice.

Dr. Ulrich Schneider
Generalsekretär der FIR

 

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